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Ehrenamt am Kotti: Empowerment durch Shiatsu

In dieser Rubrik stellen wir dir Ehrenamtliche vor, die sich bereits am Kotti engagieren.

MAGALI, SHIATSU PRAKTIKERIN, IM INTERVIEW
„Ich engagiere ich mich gerne für den Kiez!“ 

1Du engagierst dich ehrenamtlich für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Was genau machst du?
Ich möchte traumatisierten Frauen durch Shiatsu bei der Bewältigung ihres Traumas helfen und sie dabei unterstützen, ihren Platz in der Gesellschaft wieder zu finden. Momentan biete ich einmal die Woche eine kostenlose Shiatsu-Behandlung an.

Was passiert bei einer Shiatsu Behandlung?
Shiatsu bedeutet „Fingerdruck“ und ist eine Köpertherapie aus Japan, die mit Energiebahnen im Körper arbeitet. Es gibt zunächst ein Vorgespräch, in dem wir das Anliegen genau klären: Wo gibt es z.B. Schmerzen oder Beschwerden? Dann legt sich die Person hin und ich behandele sie am ganzen Körper. Dabei setze ich meinen ganzen Körper ein, Finger, Ellenbogen, Knie. Im Unterschied  zu anderen Massagen oder Therapieformen, arbeitet Shiatsu  nicht mit Kraft, sondern nur mit dem eigenen Körpergewicht.

Warum kann Shiatsu bei Erfahrungen von Trauma und Gewalt helfen?
Shiatsu hilft durch seine tief entspannende Wirkung bei zum Beispiel Angstzuständen, Panikattacken oder Schlafstörungen. Das sind alles Symptome, die durch ein Trauma entstehen können. Es fördert zudem eine bessere Selbstwahrnehmung und hilft seinen Körper zu spüren und sich wieder darin wohl zu fühlen. Shiatsu entspannt aber nicht nur, sondern gibt auch Energie und Antrieb, was gerade für Personen mit Antriebsschwäche sehr hilfreich ist. Shiatsu ist eine besonders sanfte Methode, bei der die Person bekleidet bleibt. Im Unterschied zur z.B. Physiotherapie dauert die Behandlung viel länger (1,5 Stunden) und es gibt Zeit für Vor- und Nachgespräche. Es ist eine ganzheitliche und bedürfnisorientierte Methode. Daher ist Shiatsu besonders gut für traumatisierte Frauen geeignet.

Was sagen die Frauen, die bei dir in der Behandlung sind?
Für einige ist es das erste Mal, dass sie es schaffen, sich wieder von jemandem anderes berühren zu lassen. Das ist ein sehr großer Schritt für sie. Sie verlieren durch die Behandlung die Angst vor anderen Menschen oder ihrem eigenen Körper. Manche Schmerzen oder Beschwerden werden weniger, einige verschwinden ganz.

Wie geht es weiter mit deinem Engagement?
Gerade kann ich die nächsten Termine erst wieder für in vier Monaten vergeben. Das ist sehr schade, denn die Regelmäßigkeit der Behandlungen macht viel aus. Gerne möchte ich die Frauen öfters und regelmäßiger behandeln und auch noch mehr Frauen die Chance geben, sich kostenlos behandeln zu lassen. Doch mein ehrenamtliches Engagement ist natürlich zeitlich begrenzt. Daher freue ich mich, wenn es noch Kollegen oder Kolleginnen gibt, die mitmachen möchten. Schön wäre auch, wenn es Menschen gibt, die einer Frau eine kostenlose Stunde ermöglichen.

Wie lange wohnst du schon hier in Kreuzberg?
Ich wohne seit vier Jahren in Kreuzberg. Berlin ist für mich eine sehr offene und freie Stadt, es gibt Platz für die unterschiedlichsten Menschen. Gerade hier in Kreuzberg, am Kotti, sind die Menschen sehr offen. Sie legen nicht so viel Wert auf Geld, sondern auf Vielfalt, Menschlichkeit und Toleranz. Ich fühle mich hier sehr wohl. Deswegen engagiere ich mich gerne für den Kiez hier. 


DAS ANGEBOT
Was?  Kostenlose Shiatsu-Behandlung für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind.
Wann und wo? Termin nach Absprache (magali.chastaing@gmail.com). Die Behandlung findet in der Ohlauer Str. 3 (bei Zsoma) statt.
Wer kann kommen? Alle Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind und sich keine Shiatsu-Behandlung leisten können.

Wer Magali bei ihrem Engagement unterstützen möchte, kann sich gerne an sie wenden: magali.chastaing@gmail.com. Auf ihrer Webseite findet ihr noch mehr Infos zu ihrem Engagement: http://www.momoko-shiatsu.de/willkommen/engagement/